SOUTH TEXAS WASTELANDS

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Bei uns in Hamburg und anderen Metropolen dieser Welt ist man immer noch dem Irrglauben unterlegen ist, dass man Gentrifizierung stoppen oder vielleicht sogar umkehren kann. Das war seiner Zeit schon zu spät als die Abrissbirnen kamen, denn die Planungen, Verkauf und Umstrukturierung waren in der Regel schon längst abgeschlossen. So kümmert es seit dem letzten Monat auch niemanden mehr, denn nun haben wir in Sankt Pauli den grössten Supermarkt der westlichen Hemnisphäre vor der Tür und alle sind wieder zufrieden. Die verhassten Baukräne sind mittlerweile verschwunden und die Stadt plant sogar reale Fahrbahnen für Fahrräder zu erschliessen und so müssen wir nun auch das Auto als letztes Opfer der Gentrifizierung beklagen, was ich persönlich ohne Probleme verkraften kann. Also bitte hört auf um verschüttet Milch zu heulen und macht das Beste draus, denn am Ende des Tages hat Charles Darwin den kompletten Verlauf der Entwicklung schon vorgezeichnet, nur haben die Wenigsten sich die Mühe gemacht seine Evolutionstheorien auf unsere heutige Umwelt anzuwenden und zu verstehen.

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In meinem Winterquartier, der Kleinstadt Victoria im Super State Texas, kann man allerdings eine komplett gegenteilige Entwicklung beobachten. Hier wurde der erste Teil der Umstrukturierung (das G-Wort nutze ich von nun an nicht mehr) bereits in den 80er Jahren abgeschlossen. Der vitale Stadtkern mit seinen vielen Einzelhandelsgeschäften und Restaurants starb in nur wenigen Monaten aus. Ein Architekt aus Venice in Kaliforniern hatte das Konzept des Einkaufszentrums entwickelt und diverse Fast Food Ketten und Drive-Inn optimierten die schnelle Nahrungsaufnahme direkt an der nahegelegenen vierspurigen Schnellstrasse. Seit dem schläft DownTown Victoria einen Dornröschenschlaf. die nicht mal durch Abrissbirnen geweckt wurde, weil man Platz hat und einfach alles so stehen liess wie es war. Den Familien, denen die meisten Gebäude gehören ist, dass völlig egal, denn sie haben ihr meistes Vermögen schon in den Zeiten gemacht, als Texas eine unabhängige Republik war und noch nicht zu den Vereinigten Staaten gehörte. Wenn man das weiss versteht man die texanische Mentalität um einiges besser.

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Und so gibt es in der Stadt einfach keine Baulücken, sondern einfach nur leerstehende Gebäude, wobei die Besitzern alle Zeit der Welt haben. Denn Viktoria ist das Epizentrum eines neuen Boomtowns. Aus dem nahegelegenden Eagle Ford Shale werden Unmengen von Öl durch Fracking gefördert. Arbeitlosigkeit liegt im negative Bereich. Man kann gar nicht genug Fahrer, Ingenieure, Geologen und Techniker heran bekommen, die trotz Durchschnittseinkommen von 100.000 Dollar pro Jahr immer noch in Containern wohnen, weil der Wohnungsbau nicht hinterherkommt.

Am Geld soll es also nicht liegen und wenn genug Platz vorhanden ist, dann hält Abriss nur auf und eine Stadt wird in Amerika neben der Wirtschaft auch immer an seiner Fäche gemessen, denn Distanzen sind gut für das Geschäft. In den USA braucht man sich keine Gedanken über Ölexport zumachen, wenn doch der Hauptkonsument aus dem eigenen Hause kommt.

Wie praktisch.

 

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