STREETS OF LA I

An dieser Stelle muss READ etwas nachholen, was eigentlich schon längst fällig gewesen wäre, und Gregory Bojorquez vorstellen, der uns von Anfang an mit seinen Beiträgen unterstützt hat und wesentlich dazu beiträgt, dass wir Artikel über die Grenzen unserer Stadt hinaus liefern.

Greg Bojorquez wuchs auf der East Side von Los Angeles auf. Er durchlief als Fotograf nicht die klassische Schule von Studium oder Assistenz. Zwar belegte er schon während seiner Zeit in der High School Fotokurse, weil er Interesse hatte seine Nachbarschaft zu fotografieren, nach der Schule jedoch wollte er einfach nur Spass haben. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, die in erster Linie seinen Cadillac finanzierten. Ende der 90er Jahre begannen sich dann seine Bilder auf sein direktes Umfeld zu konzentrieren und so entstand sein Werk “The Eastsiders”. Zu dieser Zeit wurde LA WEEKLY auf ihn aufmerksam und veröffentlichte seine ersten Bilder.

Greg ist es jedoch wichtig mit seinen Bildern nicht zu schockieren. “The Eastsiders” zeigt zum einen stereotypes Ganglife, aber ebenso Menschlichkeit. Sie sind ein Teil der Latino Kultur, die sich wahrscheinlich nie ändern wird. Später nahmen die Dinge ihren Lauf und diverse Magazine, sowie die Musikindustrie wurden auf ihn aufmerksam. Anfangs musste er noch oft das Cliché der schwarz-weissen Barrio-Romantik bedienen, aber seine Kreativität und sein Improvisationstalent erweiterten schnell den Kreis der Prominenten, die er vor die Linse bekam. Dabei spielt es für ihn keine Rolle, ob er tagelang Konzepte entwirft oder ihm eine halbe Stunde auf der Strasse bleibt ein Portrait zu schiessen.

24_Wolf and DuckBis heute hat er keinen Agenten. Vieles wäre vielleicht einfacher, wenn er die richtige Agentur hätte, aber andererseits will er auch unabhängig sein und nicht nur für direkten Umsatz arbeiten. “Es ist ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen kann und den man nicht immer mit Profit bewerten kann. Meine freien Arbeiten sind immer eine Selbstreflexion. Als ich 2005 nach Hollywood zog, hat es seine Zeit gebraucht bis ich die richtigen Motive fand und ich ihre Besonderheiten erkannte. Aus der Distanz sind die East Side und Hollywood nur ein paar Kilometer voneinander entfernt, aber kulturell trennen sie Welten.”

Am 9. September eröffnet die Hardhitta Gallery seine erste Ausstellung “Streets of L.A.” in Berlin. Kuratiert wird das Ganze von Bene Taschen, dem Sohn von Benedikt Taschen. Die Intention für die Zusammenarbeit von Bene und Gregory hat dabei allerdings nichts mit dem Verlag zu tun. Die beiden kennen sich schon seit geraumer Zeit und sind eigentlich durch Zufall darauf gekommen ihre Interessen in einer Ausstellung umzusetzen. Die Zusammenarbeit mit Bene Taschen hat Greg überrascht. Obwohl Bene einen komplett anderen Hintergrund hat, bewies er bei der Auswahl der Bilder ein Gespür für Details, die Greg selbst schon als selbstverständlich empfunden hat.

Greg hat viel erreicht, doch er ist noch immer hungrig. Berlin ist ein neuer Schritt und wieder ein  Anfang für Neues.

http://www.gregorybojorquez.com

READ #6 JUN. 2011